Verhalten im notfall Muster

Dennoch fehlen detaillierte Datenanalysen, um die genauen Mechanismen zu extrahieren, die kollektives Verhalten bei stressigen Evakuierungen antreiben. So bleibt beispielsweise unklar, inwieweit Push, Überbelegung und Peer-Imitation die Effizienz des Egresses beeinträchtigen können. Das Haupthindernis für die Beantwortung dieser Fragen ist die Knappheit detaillierter empirischer Daten. Laborexperimente sind aufgrund von Sicherheits- und ethischen Fragen nicht für die Untersuchung von Notfallsituationen geeignet, und Beobachtungen aus der Praxis, die den oben beschriebenen ähneln, sind selten und schwer zu bewerten. Folglich werden die meisten Forschungen in diesem Bereich mittels Computersimulationen durchgeführt, die auf vereinfachten Verhaltensannahmen [2] basieren oder sich auf Analogien zu Tiermodellen stützen [23]. Während Computersimulationen die Datenerfassung auf kontrollierte und kosteneffiziente Weise erleichtern, ist die Genauigkeit der Ergebnisse von Natur aus auf das Maß beschränkt, dass die Simulationen reale Massen imitieren. Trotz vielversprechender Fortschritte in diesem Bereich [4,24] können computersimulierte Agenten nicht zuverlässig echtes menschliches Verhalten emulieren, insbesondere in Situationen, in denen empirische Daten von vornherein schwer zu erhalten sind. In Studie 3 führten wir eine Reihe von Notfall-Egress-Experimenten für Stressarme (C0) und Hochspannungs-Bedingungen (C1) durch (Abbildung 4a). Die Umgebung bestand aus einem komplexen Gebäude mit vier möglichen Ausstiegsstellen E1, E2, E3 und E4, durch das die Teilnehmer zur Flucht angewiesen wurden (Abbildung 4b und elektronisches Zusatzmaterial, Abbildung S5). Für jede Replikation wurde die funktionale Ausgangstür an einem zufällig ausgewählten Ausgangsort platziert, während die anderen drei Ausgangspositionen blockiert sind.

Die Teilnehmer wussten nichts von der Lage der funktionalen Ausgangstür, mit Ausnahme eines bestimmten Anteils k informierter Personen, die einen Pfeil oben auf dem Bildschirm sehen konnten, der die Richtung des sicheren Ausganges anzeigte [45]. Die Teilnehmer wussten, dass einige Gruppenmitglieder über den richtigen Ausgang informiert worden sein könnten, sie aber nicht erkennen konnten, wodurch die soziale Unsicherheit des realen Lebensaustritts nachahmt wurde. Darüber hinaus ist der Mangel an Panik entgegen der allgemeinen Meinung der Ansicht, dass dies zu brandbedingten Folgen beiträgt. Neil Townsend, Abteilungsoffizier des London Fire Rescue Service, weist darauf hin, dass “wenn Menschen bei einem Feuer sterben, es nicht auf Panik, sondern eher auf den Mangel an Panik kommt”. Markus Friberg & Michael Hjelm (2014) sind jedoch der Meinung, dass man, um das Verhalten in Brand- und Notfallsituationen zu verstehen, wissen muss, dass sich nicht jeder in einer bestimmten Situation gleich verhalten wird. Ein entscheidender Aspekt der Crowd-Dynamik liegt in den sozialen Interaktionen, die zwischen Individuen stattfinden.